Übersicht zur OTDR-Messung (Optical Time Domain Reflectometer)

1. Was ist ein OTDR?

Ein OTDR (Optical Time Domain Reflectometer) ist ein Messgerät zur Analyse und Charakterisierung von Glasfaserstrecken (Lichtwellenleiter, LWL).
Es dient zur Bestimmung von Dämpfung, Länge, Ereignissen (Spleiße, Steckverbinder) und Fehlerstellen innerhalb einer Faser.

Das OTDR ist eines der wichtigsten Prüf- und Diagnoseinstrumente im Glasfaserausbau.


2. Funktionsprinzip

Das OTDR arbeitet nach dem Rückstreuprinzip (Rayleigh-Backscatter):

  1. Ein kurzer Lichtimpuls wird in die Glasfaser eingespeist.

  2. Während der Ausbreitung wird ein kleiner Teil des Lichts kontinuierlich zurückgestreut.

  3. An Unregelmäßigkeiten (z. B. Steckern, Spleißen oder Faserenden) entstehen zusätzliche Reflexionen (Fresnel-Reflexion).

  4. Aus der Laufzeit des rückkehrenden Signals berechnet das Gerät die Entfernung.

  5. Die Signalintensität über der Zeit wird als sogenannte OTDR-Kurve (Trace) dargestellt.

Ergebnis ist ein Dämpfungsverlauf über die gesamte Faserlänge.


3. Typische Anwendungen

  • Abnahmeprüfung neu installierter Glasfaserstrecken

  • Qualitätskontrolle bei FTTH- und Telekommunikationsnetzen

  • Fehlersuche (Faserbruch, Quetschung, hohe Dämpfung)

  • Wartung und Dokumentation bestehender Netze

  • Analyse von Spleiß- und Steckverbinderdämpfung


4. Messbare Parameter

Ein OTDR liefert unter anderem folgende Messwerte:

  • Gesamtdämpfung der Strecke (dB)

  • Dämpfung einzelner Ereignisse (Spleiße, Stecker)

  • Reflexionsdämpfung / Optical Return Loss (ORL)

  • Exakte Fehlerposition (Entfernung in Metern)

  • Faserlänge


5. Messverfahren

Einseitige Messung
Standardverfahren, Messung von einem Faserende aus.

Bidirektionale Messung
Messung von beiden Seiten zur genaueren Dämpfungsbestimmung (Reduzierung von Richtungsabhängigkeit).

Loop-Messung
Messung in Ring- oder geschlossenen Strukturen.


6. Leistungsmerkmale eines OTDR

Wichtige technische Kenngrößen:

Dynamikbereich (dB)
Bestimmt die maximal messbare Faserlänge.

Totzone

  • Ereignistotzone: Mindestabstand zur Unterscheidung zweier Ereignisse

  • Dämpfungstotzone: Abstand bis zur stabilen Dämpfungsmessung

Impulsbreite

  • Kurze Impulse → hohe Auflösung, kurze Reichweite

  • Lange Impulse → große Reichweite, geringere Auflösung

Wellenlängen

  • Multimode: 850 nm, 1300 nm

  • Singlemode: 1310 nm, 1550 nm, 1625 nm

Messzeit (Averaging)
Längere Messzeit reduziert Rauschen und erhöht Genauigkeit.


7. Hersteller von OTDR-Geräten

Zu den führenden Herstellern zählen:

  • VIAVI Solutions

  • EXFO

  • Yokogawa Electric

  • Anritsu

  • AFL

Diese bieten Handgeräte für den Feldeinsatz sowie modulare und Laborlösungen an.


8. Vorteile und Grenzen

Vorteile

  • Messung von nur einer Seite möglich

  • Exakte Fehlerlokalisierung

  • Geeignet für lange Strecken

  • Dokumentationsfähig

Grenzen

  • Totzonen hinter stark reflektierenden Ereignissen

  • Richtungsabhängige Messabweichungen

  • Fachkenntnisse zur korrekten Kurveninterpretation erforderlich


9. Zusammenfassung

Das OTDR ist ein zentrales Diagnoseinstrument in der Glasfasertechnik.
Es ermöglicht die detaillierte Analyse von Länge, Dämpfung und Ereignissen innerhalb einer Faserstrecke.

Durch Auswahl geeigneter Impulsbreiten, Wellenlängen und Messverfahren kann das Gerät optimal an unterschiedliche Netzstrukturen und Messaufgaben angepasst werden.

EXFO OTDR
EXFO OTDR

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