Steckverbinder für Lichtwellenleiter (LWL) und Glasfaser

1. Grundlagen von Steckverbindern für Lichtwellenleiter

Steckverbinder sind zentrale Verbindungselemente in Lichtwellenleiter- (LWL-) und Glasfaser-Netzen. Sie ermöglichen eine lösbare, präzise und normgerechte Verbindung zwischen zwei Glasfasern oder zwischen Glasfaser und aktiver Technik (z. B. Transceiver, ODF oder Patchfeld).

Ein Steckverbinder besteht im Wesentlichen aus:

  • Ferrule (1,25 mm oder 2,5 mm Durchmesser),

  • Federmechanismus,

  • Führungshülse (Adapter),

  • Gehäuse mit Verriegelung (Push-Pull, Gewinde oder Bajonett),

  • Knickschutz.

Die Ferrule – meist aus Keramik gefertigt – sorgt für die exakte Zentrierung der Glasfaser und ist entscheidend für die optische Qualität der Verbindung.


2. Typen von LWL- und Glasfaser-Steckverbindern

Es existieren unterschiedliche Bauformen, die sich in Verriegelungsmechanismus und Ferrulendurchmesser unterscheiden.

Steckverbinder mit 2,5 mm Ferrule:

  • FC (Gewinde)

  • DIN 47256 (Gewinde)

  • SC (Push-Pull)

  • ST (Bajonett)

  • E2000 (Push-Pull)

Steckverbinder mit 1,25 mm Ferrule:

  • LC (Push-Pull)

  • MU

  • F3000

Der Trend in modernen Glasfaser-Netzen geht aufgrund höherer Packungsdichte zunehmend zu kompakten 1,25-mm-Systemen wie LC.


3. PC- und APC-Schliff bei Glasfaser-Steckverbindern

Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal von LWL-Steckverbindern ist die Politur der Ferrulenstirnfläche:

  • PC (Physical Contact, 0°)
    Leichter Rundschliff mit direktem Faserkontakt
    Typische Rückflussdämpfung: ≥ 35 dB
    Kennfarbe: Blau

  • APC (Angled Physical Contact, 8° bzw. 9°)
    Schrägschliff zur Minimierung von Reflexionen
    Typische Rückflussdämpfung: ≥ 60 dB
    Kennfarbe: Grün

APC-Steckverbinder werden vor allem dort eingesetzt, wo hohe Anforderungen an die Rückflussdämpfung bestehen, beispielsweise in FTTH- oder Hochleistungsnetzen. Wichtig ist, dass PC- (blau) und APC- (grün) Steckverbinder niemals miteinander verbunden werden dürfen, da dies die Stirnflächen beschädigt und hohe Dämpfungen verursacht.


4. Verlustmechanismen bei LWL-Steckverbindungen

Die Qualität einer Glasfaser-Steckverbindung wird im Wesentlichen durch zwei Parameter bestimmt:

Einfügedämpfung (Insertion Loss, IL)

  • Soll möglichst klein sein

  • 0,5 dB = gut

  • 1 dB = schlecht

Die Einfügedämpfung steigt bei radialem Versatz, Winkelfehlern oder unzureichendem Faserkontakt.

Rückflussdämpfung (Return Loss, RL)

  • Soll möglichst groß sein

  • APC: ≥ 60 dB

  • PC: ≥ 35 dB

Hohe Reflexionen entstehen insbesondere bei Luftspalten oder verschmutzten Kontaktflächen.

Typische Verlustursachen:

  • Radialer Versatz der Fasern

  • Winkelfehler

  • Abstand der Faserendflächen

  • Verschmutzung oder Beschädigung der Stirnfläche


5. Inspektion und Reinigung von Glasfaser-Steckverbindern

Saubere Stirnflächen sind essenziell für stabile und verlustarme LWL-Verbindungen. Bereits kleinste Verschmutzungen im Kernbereich der Glasfaser können zu erhöhter Dämpfung oder instabilen Verbindungen führen.

Reinigungsmethoden:

  • Trockene Reinigung (z. B. One-Click Cleaner oder Bandreiniger)

  • Feuchte Reinigung mit fusselfreiem Tuch und hochreinem Isopropylalkohol

Grundregel:
Vor jeder Verbindung beide Stirnflächen reinigen und visuell prüfen.


6. Regeln im Umgang mit LWL- und Glasfaser-Steckverbindern

  • Nicht in offene Lichtwellenleiter schauen (Lasergefahr).

  • Offene Stecker stets mit Schutzkappen verschließen.

  • Adapter vor Staubeintritt schützen.

  • PC- und APC-Stecker nicht mischen.

  • Patchkabel vor mechanischer Beschädigung und Kratzern schützen.


Fazit

Steckverbinder sind zentrale Qualitätskomponenten in Lichtwellenleiter- und Glasfaser-Netzen. Bauform, Ferrulenpräzision, Schliffart (PC oder APC) sowie fachgerechte Reinigung und Handhabung bestimmen maßgeblich Einfüge- und Rückflussdämpfung. Nur durch normgerechte Komponenten und sauberes Arbeiten lassen sich dauerhaft stabile und leistungsfähige LWL-Verbindungen gewährleisten

Übersicht Normen Entwürfe

E DIN EN 61755-1:2013-03

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 1: Optische Schnittstellen von nicht-dispersionsverschobenen Einmodenfasern – Allgemeines und Leitfaden (IEC 86B/3513/CD:2012)

E DIN EN 61755-2-1:2013-03

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 2-1: Optische Schnittstelle von nicht-dispersionsverschobenen, nicht abgeschrägten Einmodenfasern mit physikalischem Kontakt (IEC 86B/3515/CD:2012)

E DIN EN 61755-2-2:2013-03

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 2-2: Optische Schnittstelle von nicht-dispersionsverschobenen, abgeschrägten Einmodenfasern mit physikalischem Kontakt (IEC 86B/3517/CD:2012)

E DIN EN 61755-2-4:2013-04

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 2-4: Optische Schnittstelle von nicht-dispersionsverschobenen, nicht abgeschrägten Einmodenfasern mit physikalischem Kontakt für die Anwendung mit Referenzsteckverbindern (IEC 86B/3584/CD:2013)

E DIN EN 61755-2-5:2013-04

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 2-4: Optische Schnittstelle von nicht-dispersionsverschobenen, abgeschrägten Einmodenfasern mit physikalischem Kontakt für die Anwendung mit Referenzsteckverbindern (IEC 86B/3585/CD:2013)

E DIN EN 61755-3-1:2013-03

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen für Lichtwellenleiter-Steckverbinder – Teil 3-1: Steckverbinder mit nicht abgeschrägten zylindrischen Zirkonium-Ferrulen mit 2,5 mm und 1,25 mm Durchmesser für nicht-dispersionsverschobene Einmodenfasern mit physikalischem Kontakt (IEC 86B/3519/CD:2012)

E DIN EN 61755-3-2:2013-01

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen für Lichtwellenleiter-Steckverbinder – Teil 3-2: Steckverbinder mit abgeschrägten zylindrischen Zirkonium-Ferrulen mit 2,5 mm und 1,25 mm Durchmesser für nicht-dispersionsverschobene Einmodenfasern mit physikalischem Kontakt (IEC 86B/3521/CD:2012)

E DIN EN 61755-3-31:2010-11

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen für Lichtwellenleiter-Steckverbinder – Teil 3-31: Optische Schnittstelle rechteckige Polyphenylensulfid-Ferrule 8 Grad abgewinkelt physikalischer Kontakt für Einmodenfasern (IEC 86B/3078/CD:2010)

E DIN EN 61755-3-32:2011-01

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Teil 3-32: Optische Schnittstelle rechteckige duroplastische Epoxid-Ferrule 8 Grad abgewinkelt physikalischer Kontakt für Einmodenfasern (IEC 86B/3079/CD:2010)

E DIN EN 61755-3-7

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 3-7: Optische Schnittstellen-Steckverbinder mit zylindrischen Composite-Ferrulen mit 2,5 mm und 1,25 mm Durchmesser für nicht angeschrägte polierte Einmodenfaser, mit Titan als Material für die Faserfassung (IEC 86B/3739/CD:2014)

E DIN EN 61755-3-8
Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 3-8: Optische Schnittstellen-Steckverbinder mit zylindrischen 8 Grad angeschrägten polierten Composite-Ferrulen mit 2,5 mm und 1,25 mm Durchmesser für nicht angeschrägte polierte Einmodenfaser, mit Titan als Material für die Faserfassung (IEC 86B/3741/CD:2014)

E DIN EN 61755-6-1:2013-11

Lichtwellenleiter – Verbindungselemente und passive Bauteile – Optische Schnittstellen von Lichtwellenleiter-Steckverbindern – Teil 6-1: Verbindung von nicht abgeschrägten Mehrmodenfasern mit 50 µm Kerndurchmesser mit physikalischem Kontakt (IEC 86B/3659/CD:2013)

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